LE SIÈCLE DE LUCIA
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LE SIÈCLE DE LUCIA
Andreas Mader forschte vor ein paar Jahren während seines „Live Electronics“-Masterstudiums am Conservatorium van Amsterdam an ebendieser Verbindung zwischen visuellen und akustischen Elementen. Dabei ist eine lebendig wirkende Interaktion zwischen Musiker und Video entstanden. Mader schrieb ein Stück bei dem die Töne, die der Musiker spielt, analysiert und dann einzelnen Videos zugeordnet werden, sodass der Musiker während des Spielens das Video ansteuern kann. Andreas Mader: „Die Idee ist relativ simpel, aber extrem effektiv. Extrem theatralisch, auch witzig teilweise. Und ich habe gedacht, da muss man mal was machen.“
Eines der Kernrepertoire-Stücke Maders, der sich als klassischer Musiker identifiziert und sich im Saxofonrepertoire zuhause fühlt, ist das Concertino da Camera des französischen Komponisten Jacques Ibert. Nachdem Mader dieses Stück bereits oft mit Orchester gespielt hat, kam bei ihm der Wunsch auf, das Concertino in sein eigenes Schaffen zu verflechten. Dieser Wunsch war einer der Anlässe zu der Entwicklung von Alter Ego in Motion. Das Produkt ist ein Konzert mit klassischer Musik, bestehend aus Werken populärer Komponist·innen und Live-Video-Performance. Der luxemburgische Komponist Hy-Khang Dang und Dirigent Pit Brosius haben mit der Ausnahme von Iberts Concertino da Camera alle Stücke speziell für Maders Ensemble umarrangiert oder neu instrumentiert. Neben den altbekannten Maurice Ravel und Jacques Ibert, steht mit Carolin Shaw eine der bedeutendsten zeitgenössischen Komponistinnen auf dem Programm. Für ihr neues Stück Its Motion Keeps holte Mader bei ihr persönlich die Erlaubnis ein, es in diesem speziellen Konzertformat benutzen zu dürfen. Der Titel des Stückes gab auch die Inspiration für den Titel des Konzerts. „Es gibt diese fortwährende Bewegung in der Musik, die dann durch das Video ergänzt wird. Beides soll dann ein organisches Ganzes ergeben“, so Andreas Mader. „Es war schon immer ein Traum von mir, mal ein größeres Projekt mit mehreren Musiker·innen, sozusagen einem reduzierten Orchester, zu haben.“ Neben Andreas Mader stehen elf weitere Musiker·innen auf der Bühne: sechs Bläser und fünf Streicher, geleitet von Pit Brosius.
„EIN VISUAL ARTIST, DER EBENFALLS MUSIKER IST, IST NATÜRLICH EIN GROSSER LUXUS FÜR DAS PROJEKT.“
Da sich Mader bewusst wurde, dass seine Kenntnisse im Videobereich nicht den eigenen Ambitionen gerecht wurden, brauchte er jemanden, der eine solide Expertise mitbringt. Über das Mierscher Theater kam Mader mit dem Videokünstler Florian Penner-Steinbach in Kontakt, der ihn wiederum mit Leon Fürtig bekannt machte. Fürtig gestaltet die Visuals für das Projekt. Der Videokünstler arbeitete bislang schwerpunktmäßig an Installationen und war unter anderem bei der Ausstellung Re:start in der Modernen Galerie Saarbrücken zu sehen. „Eine Challenge am Projekt mit Andreas ist der Live-Aspekt und die Interaktion natürlich. Man arbeitet nicht auf eine Installation hin mit einer Deadline an der die Installation fehlerfrei läuft, sondern bei einem Konzert gibt es mehr Risikofaktoren“, erklärt Leon Fürtig. „Das wird in der Entwicklung auf jeden Fall noch sehr spannend.“ Andreas Mader ist sehr froh über die Affinität zur Musik, die Leon Fürtig mitbringt: „ein Visual Artist, der ebenfalls Musiker ist, ist natürlich ein großer Luxus für das Projekt.“


Der rote Faden während des Konzerts ist das „Schatten-Ich“, welches Andreas Mader zwischen den Stücken in improvisierten Momenten zum Leben erweckt. Die projizierte Figur kann der Musiker wie eine Marionette steuern. Aufgenommen werden diese kurzen Videoclips im Vorhinein in einer Kollaboration mit dem Centre national de l’audiovisuel in Dudelange. Vor einem Green Screen wird Mader selbst die Videos, die nachher als sein Schatten dienen werden, aufnehmen. Die verarbeiteten Videos werden neben eigens erstellten Grafiken mit mehreren Projektoren auf Projektionsflächen projiziert und zum Teil live beeinflusst, gesteuert von den Musiker·innen. Leon Fürtig arbeitet zurzeit an der Technik hinter der Echtzeitsteuerung. Zusätzlich wird das Video als Lichtquelle benutzt, um verschiedene Stimmungen zu erzeugen. Als Projektionsfläche dienen recycelte Doppelstegplatten. Die Entscheidung über das perfekte Material fällte Leon Fürtig nach längerer Forschungsarbeit: „Was ist das für ein Material? Was hat das für Strukturen, für Eigenschaften? Und dann habe ich versucht, dafür Grafiken zu finden, die auf diesem Material gut funktionieren. Ich will jetzt noch gar nicht zu viel vorwegnehmen!“ (lacht). Was genau gezeigt werden wird, ist noch nicht sicher. Auf diese und auf andere offene Fragen werden die beiden Künstler, zusammen mit ihren Kolleg·innen, in den zwei Wochen andauernden Bühnenproben im Mierscher Theater Antworten finden. Fest steht jedoch, dass Fürtig, Mader, das „Schatten-Ich“ und das Ensemble in einem besonderen Crossover-Konzert die Platten hell zum Leuchten bringen werden.
